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Mich schüttelt plötzlich eine gewaltige Aggression gegen ein blödes normales Leben. Ich bin so was von wütend. Wenn ich daran denke dass Millionen Menschen jetzt gerade ihre geballte Kreativität in die Tonne kloppen um Fußball zu gucken. Das ist nicht gerecht. Sie könnten sie mir geben. Ich will sie.

Ich will auch mal irgendwas Kreatives machen. Alle meine Freunde und Bekannten können irgendwas Tolles. Sie machen Musik oder malen oder können tanzen oder super gut Theater spielen. Ich mache nichts so richtig.

Ich kann zwar auch ganz gut Theater spielen, aber das macht mir keinen Spaß, ich kann es einfach nur gut. Und ich glaube das kommt sowieso nur daher dass ich ja im realen Leben auch immer Theater spiele. So doll dass ich gar nicht mehr weiß wer ich überhaupt bin. Und da kann irgendwer noch so oft singen dass die Hobbies bleiben wenn die Liebe geht, wenn man nun mal keine Hobbies hat??

Ich seufze und lege mich ins Bett. Ich starre an die Decke. Vor meinen Augen bilden sich Muster, Schlangenlinien, Kreise, von links kommt eine blaue Ameisenarmee um die roten Ringe zu erobern. Es ist aufregend und spektakulär. Die Ameisen gewinnen, lösen sich in den Ringen auf und alles wird braun. Ich drehe mich auf die Seite und lege den Kopf auf meinen Arm und starre ins Dunkle. Wie geht das jetzt alles mal weiter? Ich hebe keine Idee. Keine Idee. Keine...

Dann habe ich einen Geistesblitz, aber was für einen, ein strahlend heller Geistes-Kugelblitz  nämlich, und schon bin ich aus dem Bett gesprungen um mir alles zusammenzusuchen was ich brauche. Während ich barfuß durch die Wohnung laufe beglückwünsche ich mich zu meiner überdurchschnittlichen Intelligenz. Ich klopfe mir sogar auf die Schulter. Der Plan geht so:

Man erinnert sich nämlich ja an das was man träumt, wenn man aus der Schlafphase geweckt wird. Und in Träumen verarbeitet das Gehirn doch die Gedanken und Gefühle des Tages und das Unterbewusstsein und alles. Also werde ich einfach meinen Wecker auf mitten in der Nacht stellen, am besten so drei, vier mal, mir einen Block und ein paar Stifte zurechtlegen und jedes Mal wenn ich aufwache aufschreiben was ich geträumt habe.

Oho. Mir wird ganz warm bei dieser ganzen Genialität. Ich lege mich also ins Bett. Ich rolle hin und her. Ich singe ein bisschen. Ich kann nicht einschlafen. Mein schöner Plan alles umsonst, ich werde niemals wieder schlafen können.

Ich werde geweckt glaube ich, oder habe ich gar nicht geschlafen? Ich bin verwirrt. War ich schon mal wach? Was wollte ich noch mal machen? Aufschreiben. Genau, die Stifte und so. Alles liegt auf dem Boden also muss ich ja schonma...hmmm...Gott bin ich müde...

Ich sammele meine Gedanken und einen der Stifte auf und schreibe, noch vollkommen verwirrt: „Insgesamt Hut. Im harten Hut, die Schwierigkeit, über mein Leben. Sie dankt ihrem rosa Fahrrad und hupt. Brennende Bäume.

Zumindest glaube ich dass ich das geschrieben habe, dieser Traum war fantastisch. Phänomenal. Ich... Huch? Besser noch mal den Wecker stellen ich wette das war noch nicht genug Selbsterkenntnis. Ich stelle also noch mal den Wecker und schlafe wieder ein.

Die ganze Nacht geht das so weiter. Ich wache auf, schreibe benommen ein paar Zeilen und lege mich wieder hin. Gegen drei Uhr morgens vergesse ich den Wecker noch einmal zu stellen und schlafe durch bis halb zwölf.

 

Und wache mit einer Superlaune auf. Zuallererst reiße ich die Fenster auf. Alle. Warmer Wind weht durch die Wohnung und zerrt an meinen Laken, der Tischdecke, an meinen Kleidern. Ich mache Kaffee und singe dabei laut. Ich liebe den Wind, aber nicht den Regen. Nach meiner viel zu starken Tasse Kaffee die einen gestandenen Seemann erschüttert hätte, bin ich derart geladen dass ich mich in der Lage fühle meine Zettel durchzugucken. Ich nehme den Ersten in die Hand. Die Schrift ist fahrig und schief, sieht ganz und gar nicht nach mir aus, aber es gefällt mir. Ich nehme also die Seite in die Hand und lese:

Wir unterzeichnen. Nein! Stop! Wenn Sie nicht wissen, wer Sie sind, die Zeit ist nicht ausreichend. Es ist genug Zeit, uns Fragen zu stellen. Kein Hase im Büro!!

 

Ich bin sprachlos. Lange. Dann fange ich an zu lachen. Hmmmmm. Oho, oho Selbsterkenntnis ich fühle mich erschlagen. Nicht wirklich. Das ist doch echt zu geil. Das geht immer so weiter! Und ich dachte heute Nacht noch alles was ich geschrieben hätte wäre vollkommen logisch und ich hätte da sicher nicht viel zu interpretieren, Und dann das. Ich lache mich kaputt bis ich Bauchschmerzen habe. Dann stelle ich mich in die Mitte des Zimmers und beginne das Geschriebene immer wieder mit getragener Stimme zu rezitieren, wobei ich mich an mein unsichtbares Publikum wende, dass mir freundlich zunickt und verzweifelt versuche nicht zu lachen.

„Es geht um meinen Mann, der Mann ist ein wenig Zeit, und ein Musical. Er sagte, der Name des Kindes oder des Kindes ist das Hören auf den Heiligen Geist.“

 

Es ist seltsam. Je öfter man es liest, desto weniger lustig wird es.

Und desto mehr beunruhigend. „Der Name des Kindes ist das Hören auf den heiligen Geist?“ Mein Gott. Träume ich so etwas wirklich jede Nacht? Müsste man davon nicht total verrückt werden? Bin ich verrückt? Ich würde gerne eine rauchen, also werfe ich die Blätter auf den Tisch. Eines der Blätter wird vom Wind auf den Boden geweht. (Es raschelt furchtbar. Wie ich dieses rascheln hasse...) Ich will es aufheben, beuge mich von meinem Stuhl auf den Boden und friere ein, bleibe also in einer vollkommen bescheuerten Position hängen und glotze auf das raschelnde Blatt. Auf der Rückseite des einen Zettels steht noch irgendwas. Ich kann mich nicht erinnern etwas auf die Rückseiten geschrieben zu haben, aber das meine ich nicht, meine Nacht war schließlich verwirrend genug, irgendwas nicht mitgekriegt zu haben wäre vollkommen okay.

Das seltsame ist, es ist eindeutig meine Schrift. Aber im Gegensatz zu den Traumausschnitten, ist dieses hier relativ klar formuliert, in ordentlichen Reihen untereinander geschrieben und kein bisschen wackelig. Wenn die Schrift nicht wackelig ist muss ich wach gewesen sein, müsste mich also erinnern. Richtig? Richtig. Also ganz falsch.

Ich habe das nicht geschrieben.

Es ist ein spontanes Gefühl das meine Wirbelsäule runterrast wie vierzig tiefgekühlte Springmäuse auf Crack. Und genauso schnell wieder vorbei.

Unsinn. Es ist meine Schrift, ich kann mich halt nur...na ja nicht erinnern.

Läuft schon alles. Erstmal lesen. Und so.

Es ist eine Art Gedicht. Kurz zähle ich die Silben aber es ist kein Haiku. Ich runzele die Stirn. Auf dem Blatt steht:

 

„In allen Leitungen sitzen Eulen

und in jedem Keller wohnt ein Ungeheuer.

Bist nicht allein...“

 

Igitt. Was ist das? Es ist echt irgendwie seltsames Psychozeug.

Warum fühlt sich so an als ob jemand mit einer kalten Nebelhand in meine Brust fasst und alles einfriert?  Ich habe ganz plötzlich wahnsinnige Angst. Vor einem Gedicht das ich anscheinend selbst geschrieben habe.

Es ist Irrational.

Es ist Schwachsinn.

Es ist ein Uhr Nachmittags.

Ich stehe auf und vertraue meinen Beinen nicht. Ich setze mich wieder und strecke mich über den Tisch, greife nach meiner Tasche. Ich fasse den Stoff an (real) und taste mich weiter (realreal) und finde was ich suche. (real)

Alles Liebe dem Aldi an der Ecke.

 

Ich mache eine Flasche Wein auf und trinke eine Drittelflasche in einem Zug leer. Mein Herz klopft. Ich bin doch nicht paranoid oder so was.

Vielleicht doch.

Vielleicht sollte ich jemanden anrufen. (In allen Leitungen sitzen Eulen!)

Vielleicht...nicht. Hat dieses Haus einen Keller? Igitt muss ja sein in dieser Wohnung ist keine Waschmaschine. Wie will ich das denn jetzt machen? Ich kann schließlich nicht meine Wäsche nicht waschen nur weil im Keller ein Ungeheuer auf mich wartet. Das mich fressen will. Wie alt war ich noch mal?

Mehr Wein. Mut! Mut!

Ich bin Alice und ich bin sechzehn und ich habe keine Angst vor Monstern.

(Hast du do-och!) Nein! (do-och!) NEIN! (Nahnahnahnahnaah-naaah!)

 

Jetzt reichts!!

Pah! Mein kleines rebellisches Ich in meinem Kopf feuert mich an und schüttelt eine winzige Faust.

Ich schüttele auch meine Faust. In Richtung des Gedichtes.  Dann nehme ich es mit spitzen Fingern und trage es in die Küche. Ich klebe es mit einem Ernie- und- Bert- Küchenmagneten an den Kühlschrank und nehme ihm damit fast alle Bosheit. Hahahaa!

Dann gehe ich zurück ins Wohnzimmer und setze mich in einen Sessel. Wer ist die Königin dieser Wohnung?

Richtig.

11.12.07 12:55





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